• Augenärztin Dr. Sina Ahlers im Dialog mit einer Patientin über Kurzsichtigkeit bei den Augenpartnern

Die Lidrandentzündung

Die Lidrandentzündung (Blepharitis) gehört nach dem trockenen Auge und den Sehfehlern zu den häufigsten Diagnosen in der Augenarztpraxis. Erfahren Sie, wie Sie Beschwerden linden können.

Was ist eine Lidrandentzündung?

Die Lidrandentzündung (Blepharitis) ist eine Entzündung des Augenlids, die zunächst nur die Lidkanten betrifft, sich aber auf das gesamte Lid ausdehnen und auf die Bindehaut übergehen kann.

Häufige Symptome sind Juckreiz, gerötete und geschwollene Augenlider, Verkrustungen zwischen den Wimpern, das Gefühl eines trockenen oder gereizten Auges mit Fremdkörper- oder Sandkorngefühl, verschwommenes Sehen oder ständiger Tränenfluss.

 

Wie entsteht eine Lidrandentzündung?

Bei einer Lidrandentzündung ist die natürliche Hautflora der Lider gestört,  wenn etwa bestimmte Bakterien oder Demodexmilben überhand nehmen und reizende bzw. entzündliche Substanzen produzieren.

Demodexmilben zählen zu den häufigsten Parasiten des Menschen. An den Augenlidern bevölkern sie Wimpernfollikel, Talgdrüsen und Meibomdrüsen. Die Infektionsrate steigt mit dem Alter an. Ab 70 Jahren ist so gut wie jeder Mensch befallen. Doch auch jüngere Menschen können darunter leiden. Normalerweise sind Demodexmilben harmlos. Bei verstärktem Befall können Sie jedoch über mechanische, chemische und bakterielle Mechanismen zu einer Lidrandentzündung mit juckenden und verkrusteten Lidrändern führen.

Eine Lidrandentzündung ist sehr oft mit einer Funktionsstörung der Meibomdrüsen assoziiert.

 

Welche Rolle spielen die Meibomdrüsen bei einer Lidrandentzündung?

Die Meibomdrüsen spielen eine sehr wichtige Rolle beim Schutz und der Befeuchtung der Augenoberfläche. In gesundem Zustand geben die Meibomdrüsen bei jedem Blinzeln feine Öltröpfchen (Lipide) auf die Lidkanten ab und bilden eine Schutzschicht auf der Augenoberfläche, die die Tränen vor Verdunstung schützt.

Eine Funktionsstörung der Meibomdrüsenliegt vor, wenn die Meibomdrüsen zu wenig von ihrem öligen Sekret bilden bzw. wenn das Sekret in den Drüsen verstopft und dadurch nicht auf die Augenoberfläche gelangen kann. Folglich verdunsten die Tränen zu schnell und es resultiert eine trockene Augenoberfläche mit den typischen Symptomen. Bei einem Großteil der Patienten mit trockenen Augen liegt genau diese Ursache zu Grunde.

Ohne schützende Lidpidschicht können Zellschäden und Entzündungen auf der Augenoberfläche entstehen. Wenn die Meibomdrüsen verstopft sind, können sich daraus wiederum Entzündungen der Augenlider, wie beispielsweise Gersten- oder Hagelkörner entwickeln. 

Bei chronisch verstopften Meibomdrüsen kommt es mit der Zeit zu einer Rückbildung der Drüsen - die Drüsen verkümmern regelrecht. Wenn die Meibomdrüsen schließlich verkümmert sind, kann das leider nicht rückgängig gemacht werden. Chronisch trockene Augen sind die Folge.

Doch wir können vorbeugend etwas dagegen tun!

Dazu ist es zunächst wichtig, die Ursachen zu kennen.

 

Warum verstopfen die Meibomdrüsen?

Verstopfungen der Meibomdrüsen können entstehen durch:

  • Verkrustungen an den Lidrändern, die die Öffnungen der Meibomdrüsen verkleben.
  • vermehrten Befall mit Demodexmilben.
  • Make up an den Augenlidern.
  • Künstliche Wimpern.
  • zu wenig oder zu schwaches Blinzeln – häufig aufgrund langanhaltender Bildschirmarbeit  (Smartphone, Tablet, PC).
  • Hauterkrankungen, zum Beispiel Akne oder Rosazea.
  • Veranlagung.

Das Problem der Meibomdrüsendysfunktion betrifft zunehmend junge Menschen, insbesondere junge Frauen. Eine wichtige Ursache ist der zunehmende Gebrauch von Smartphones, Tablets und anderen digitalen Geräten, wodurch das richtige Blinzeln viel seltener stattfindet und verlernt wird.

Junge Frauen sind häufiger betroffen, da durch Makeup und künstliche Wimpern die Öffnungen der Meibomdrüsen an den Lidkanten regelrecht zugeklebt werden und die Drüsen verkümmern.

Wie können wir den Zustand der Meibomdrüsen beurteilen?

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Meibomdrüsendysfunktion ist wichtig, da sich bereits verkümmertes Drüsengewebe nicht erholen kann.

In unserer Spezialsprechstunde stehen uns Augenpartnern modernste Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Veränderungen des Meibomdrüsen-Gewebes können schnell, schmerzfrei und präzise als digitale Infrarotaufnahme mit dem LipiView II® sichtbar gemacht werden. Dabei werden Länge und Breite der Meibomdrüsen erfasst und angegeben, ob und in welcher Ausdehnung die Meibomdrüsen verkümmert sind.

Die digitale Infrarotaufnahme erlaubt uns die Beurteilung der Meibomdrüsen. Die weißen Pfeile kennzeichnen deutlich verkürzte und rarefizierte Meibomdrüsen.

Außerdem können wir die Lipidschicht des Tränenfilms auswerten und die Blinzelfunktion analysieren.

In diesem Beispiel zeigt sich eine sehr geringe Lipidschichtdicke. Außerdem sehen wir, dass dieser Patient zwar 12 x geblinzelt hat, davon aber nur 1x komplett, was auf eine schwere Funktionsstörung hinweist.

Mit Hilfe des Meibomdrüsen-Evaluators können wir Rückschlüsse auf die Funktion der Meibomdrüsen ziehen.  Dabei wird sanfter Druck auf das Lid ausgeübt und das Drüsensekret beurteilt. Bei gesundem Zustand der Drüsen sehen wir klares Sekret. Eine gestörte Funktion der Meibomdrüsen liegt vor, wenn wir verdicktes, milchiges oder gar kein Sekret erkennen können.

Informationen zur Behandlung einer Lidrandentzündung finden Sie hier.